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Aug 02

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„Fünf“ von Ursula Poznanski

Bewertung:

"Fünf" von Ursula PoznanskiKurzbeschreibung des Wunderlich Verlages:
Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird…

Seit wenigen Jahren erfahren skandinavische Kriminalromane und Thriller einen enormen Hype in Europa und den Vereinigten Staaten. Autoren wie Håkan NesserJo Nesbø oder Jussi Adler-Olsen werden gefeiert. Jüngst wurde der erste Roman der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson gar von Hollywood verfilmt. Ich selbst oute mich gerne als Fan der sogenannten Schwedenkrimis. Umso mehr befürchtete ich lange aber auch, dass es unmöglich sei, den Skandinaviern in diesem Punkt das Wasser zu reichen. Bis mir der Roman der Wienerin Ursula Poznanski in die Hände fiel.

Zugegeben, auf den ersten Blick und ohne eine Seite gelesen zu haben wirkt das Buch nicht wirklich spannend. Das Cover zieren ein Holzzaun, ein Rabe und eine nebelige Wiesenlandschaft. Wären da nicht die blutroten Buchstaben des Titels „Fünf“, könnte man meinen, an einen Heimatroman geraten zu sein. Daran ändert auch die Kurzbeschreibung des Inhalts auf dem Buchrücken nichts. Es erwarte einen eine „blutige Version des Geochaching“, an deren Ende die Ermittlerin Beatrice Kaspary selbst „zur Beute“ werde. Flache Story um eine Nerd-Sportart also, leicht zu durchschauen – kennen wir schon. Am Ende ist wohl der Gärtner der Mörder.

Sollte man meinen. Mit der ersten Leiche erschafft Ursula Poznanski jedoch einen Spannungsbogen um das Ermittler-Team Kaspary und Wenninger, der über mehrere Hundert Seiten aufrecht erhalten wird und erst kurz vor Ende des Romans seinen absoluten Höhepunkt findet. Den Täter vorher schon zu erahnen ist dabei nicht möglich, die Überraschung perfekt.

Dabei geht die Autorin in ihren Beschreibungen sehr detailliert vor – gerade auch in den Passagen, wenn sie die Kriminalkommissare auf die blutigen Einzelheiten ihres Falls blicken lässt (Vorsicht: Nicht immer etwas für sensible Mägen und intensive Träumer!).

Der Boden kommt näher, alles fällt, fällt langsam auf das Rot zu, zuerst die Croissants, sie landen in einer handtellergroßen Pfütze, das Rot frisst sich gierig in den Papierbeutel, der darauf abgedruckte Bäcker grinst weiter, als es seinen Mund erreicht, seine Augen …

Schön ausgearbeitet sind aber auch die Nebenschauplätze des Romans. Die Beziehung zwischen Beatrice und ihrer Familie in etwa, die Liebe zu ihren Kindern zu ihrer Mutter und ihrem Bruder, aber auch der Konflikt mit ihrem Ex-Mann. Der Spagat zwischen Job und Privatleben ist für sie dabei alles andere als leicht. Sie ist überlastet, ihr Bruder spricht vom nahenden Bourn-Out. Auf der Arbeit warten derweil Streitigkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen auf sie, aber auch das bedingungslose Vertrauen, das sie mit ihrem Kollegen Florin pflegt.

Im Kern dreht sich alles um das sogenannte Geocaching. Wie Poznanski im Nachwort verrät, wählte sie (wie schon bei ihren Jugendbüchern) ein Hobby als Hintergrund der Romanhandlung. Gekonnt führt sie an das Thema heran. Quasi ganz nebenbei macht sie ihre Leser mit der trendigen Sportart vertraut. Was ich weiter oben noch als nerdig bezeichnet habe, macht plötzlich Lust auf mehr. Ich bin sicherlich nicht der erste, der sich während der Lektüre auf geocaching.com umgesehen und sich (beinahe) einen eigenen Account angelegt hatte. Aber auch ohne Account macht es Ursula Poznanski einfach, Teil ihrer Geschichte zu werden. Zum einen durch ein kleines Spiel auf ihrer Webseite. Zum anderen durch die GPS-Koordinaten, mittels derer Beatrice und Florin im Roman vom „Owner“ an die jeweiligen Tatorte geschickt werden. Per Google Maps oder Bing lassen sich recht einfach die Gegebenheiten der jeweiligen Umgebung auch in der realen Welt erforschen. Das macht das Gelesene nicht nur spannend, sondern auch sehr authentisch.

Kurzum: „Fünf“ von Ursula Poznanski ist mitreißend und äußerst unterhaltsam. Garniert wird das ganze hier und da mit einer Portion Wiener Schmäh. Gerade für Liebhaber von gepflegten Thrillern und Kriminalromanen aber auch für Freunde der Schwedenkrimis wirklich sehr zu empfehlen! [paku]

HIER gibt’s eine Leseprobe!

„Fünf“ von Ursula Poznanski
Wunderlich Verlag (Rowolth)
384 Seiten
EUR 14,95
ISBN-10: 3805250312
ISBN-13: 978-3805250313

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2 Kommentare

  1. Mirjam Lott

    Ich habe eure Empfehlung in Facebook entdeckt, wurde neugierig und habe es noch am selben Abend bestellt.
    Und ich muss sagen: Meine Erwartungen wurden hier weit übertroffen! Auch wenn mir die Protagonistin zunächst etwas unsympathisch erschien, konnte ich das Buch aufgrund seines absolut intelligenten Aufbaus und des sehr gelungenen Schreibstils schnell nicht mehr aus der Hand legen. Das Ende habe ich dann im Urlaub gelesen und es muss wohl ziemlich komisch ausgesehen haben, wie ich mit weit aufgerissenen Augen und völlig paralysiert am Pool saß…
    Vielen Dank an euch und eure Homepage, denn ohne sie wäre ich nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden.

    1. Patrick

      Hallo Mirjam. Schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Ich war echt überrascht, wie schnell mich der Krimi nach einem doch eher unspektakulären Beginn gefesselt hatte! „Fünf“ war für mich daher auch DAS Buch des Monats 🙂 LG Patrick

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