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Jun 09

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XXL-Release-Party! – Kim Leopold – Interview mit James Scott Williams

 

Nach meinem Interview mit Lilian geht es gleich weiter an die Upper East Side. Mein Herz klopft schneller, als ich mit dem Fahrstuhl in den achten Stock fahre und vor seiner Wohnung stehen bleibe. Hinter dieser Tür wohnt James Scott Williams! Und ich bin ganz schön aufgeregt! Endlich lerne ich ihn kennen. Ich habe sogar mein bestes schwarzes Nerd-Shirt ausgesucht, mit der Aufschrift: „Schwarz ist bunt genug …“

Ich frage mich, ob die Schokoladenaugen wirklich so schokoladig sind, wie alle sagen. Doch als er mir die Tür öffnet … sie sind sogar noch schokoladiger!

„Ha-hallo Jamie!“, quieke ich wie ein nervöses Schulmädchen.

Jamie schmunzelt. „Du musst Julia sein. Kim hat mir schon viel von dir erzählt. Komm doch rein. Möchtest du etwas trinken? Heiße Schokolade vielleicht?“ Er wackelt vielsagend mit einer Braue.

Ich schaue total verblüfft auf sein schwarzes Shirt, welches die Aufschrift „Darüber muss ich erst mal eine Nacht mit dir schlafen hat und fange sofort an zu grinsen. Was hat er gefragt? Schokolade? Hat er von seinen Augen gesprochen?

„Äh, ja, gerne!“, trällere ich und trete in seine Wohnung ein. „Ich freue mich sehr, dass du dir Zeit nehmen konntest!“

„Liebend gern. Tolles T-Shirt übrigens. Das habe ich auch.“

„Ich habe schon gehört, dass es kein Shirt gibt, das du nicht hast. Das, was du gerade anhast … ist auch nicht schlecht. Ich frage mich, ob sich die Mädchen darum prügeln würden.“

Er geht in die Küche, um die heiße Schokolade zu machen, und ich folge unauffällig. Er wirft einen Blick über seine Schulter und grinst.

„Kim hat mich schon vorgewarnt, dass ihr unbedingt ein T-Shirt haben wollt. Wenn du lieb bist, gebe ich es dir vielleicht mit.“

„Dann müsstest du es aber ja erstmal ausziehen …!“

Ich grinse ihn lüstern an.

Er lässt den Kochtopf für den heißen Kakao etwas zu laut auf die Platte knallen. „Mal im Ernst, habt ihr Frauen in diesem Alter nichts anderes im Kopf als nackte Männerkörper?“ Er geht zum Kühlschrank, holt die Milch raus und schüttet davon eine großzügige Portion in den Kochtopf. „Ständig wird man auf sein Sixpack reduziert …“

„Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern, hat Heinrich Heine gesagt.“ Ich zucke unschuldig mit den Schultern. „Reicht das als Begründung?“

Jamie erstarrt, guckt mich an und bricht in Gelächter aus. „Mit dem Spruch hast du dir das T-Shirt wohl verdient. Ich gebe es dir nachher mit, wenn du versprichst, es für einen guten Zweck zu verlosen.“

„Oh, das kann ich dir auf jeden Fall versprechen. Darüber würden sich massig Frauen freuen. Was ja an sich schon ein guter Zweck ist … jemanden glücklich zu machen.“ Ich nehme die Tasse entgegen, die er mir gerade anreicht und verbrenne mir prompt die Lippen. „Also, erzähl mal, bist du glücklich? Du arbeitest jetzt auch als Investmentbanker, oder?“

Er nickt. „Ich bin in Dads Firma eingestiegen und hab nun rund um die Uhr mit Finanzen zu tun. Von Glück kann man da wohl eher nicht reden.“

„Hm, das klingt nicht so spannend. Was wäre denn dein absoluter Traumjob?“

„Naja, so übel ist es nicht. Man verdient gutes Geld und lernt interessante Personen kennen … Ich will es nicht schlecht reden. Es ist nicht schlecht, es ist nur eben nicht das, was ich wirklich gerne mache. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mein Geld mit dem Zeichnen von Comics verdienen. Oder beim Film. Kunst machen und damit Geld verdienen, das wäre ziemlich cool.“

„Und bis es soweit ist? Was brauchst du, um glücklich zu sein?“

„Comics, Computerspiele, zeichnen … die Familie. Also zumindest meine Mom und mein kleiner Bruder Toby. Lily. Es gibt viele Dinge, die mich glücklich machen. Ich will mich nicht beklagen. Mein Leben ist schön. Ich verdiene gut und lebe in einer ziemlich coolen Stadt. Damit habe ich es schon sehr viel besser getroffen als manch anderer.“

„Was ist dein Lieblingscomic? Ich bin da gewiss kein Experte, aber Marvel kennt doch jeder, oder? Bist du eher der Spider-Man oder der Batman-Typ?“

Ich kann nicht anders, als ihn mir gerade in einem Batman-Kostüm vorzustellen und muss ein Lachen glucksend unterdrücken.

„Ich liebe Superman.“ Er grinst. „Aber auch Spider-Man, Batman oder Guardians of the Galaxy – ich glaube, ich kann mich nicht entscheiden …“

Ich grinse in mich hinein. Während er erzählt, funkeln seine Augen vor Begeisterung wie die eines kleines Kindes. „Lily hat mir schon erzählt, dass du ein ziemlich gutmütiger Typ bist. Aber mal ehrlich: gibt es auch etwas, wobei du an die Decke gehen könntest?“

„Ich hasse es, wenn mein Dad versucht, Toby in seine Fußstapfen zu zwängen. Ich geb mein Bestes, um ihn daran zu hindern, aber so leicht ist das nicht.“

Ich verziehe das Gesicht. „Wie alt ist dein Bruder denn? Warum wehrt er sich nicht, wenn er es nicht möchte? Das würde euer Dad doch bestimmt verstehen …“

„Toby ist vierzehn. Er ist echt intelligent, aber auch ziemlich schüchtern. Bis er lernt, seine Meinung zu sagen, ist es längst zu spät. Also kämpfe ich für ihn.“

„Das finde ich sehr toll von dir.“ Ich überlege, wie ich die bedrückte Stimmung vertreiben kann. „Erzähl mal, was sind deine größten Lebensträume?“

„Heiraten. Eine Familie gründen. Irgendwann in der Finanzwelt aufhören und stattdessen durch die Weltgeschichte reisen.“

„Durch die Weltgeschichte reisen … das klingt toll. Wo soll es als Erstes hin gehen?“ Kurz denke ich an Lilys Wünsche. „Würdest du auch mal gerne nach Afrika?“

„Ich weiß, dass Lily gerne dorthin würde. Also klar, wieso nicht? Ich bin da offen für alles. Auf meiner Liste steht Paris ganz oben. Silvester über den Dächern der Stadt muss toll sein.“

„Bist du eher der Typ für einen gemütlichen Abend oder eine große Party?“

„Das fragst du einen Nerd?“, fragt er lachend.

„Man kann ja nie wissen.“ Ich grinse in mich hinein, weil ich mir einen tanzenden Jamie echt nicht vorstellen kann. „Was hörst du denn am liebsten für Musik?“

„Querbeet.“ Er zuckt mit den Schultern. „Meine Interessen liegen eher bei Spielen und Comics. Ich hab mich noch nie groß für Musik interessiert, sondern höre einfach das, was gerade läuft.“

Ich trinke nachdenklich meinen Kakao aus. Ich könnte ihm noch stundenlang zuhören, aber die Zeit drängt. Immerhin will ich meinen Flug nicht verpassen. „Was würdest du machen, wenn du reich wärst? Spenden? Deine Weltreise? Lilian etwas Schönes kaufen?“

„Von allem etwas.“ Er grinst breit. „Anfangen würde ich bei Lily. Ich hätte da so einige Ideen, wie ich sie glücklich machen könnte. Ohne sie wäre mein Leben um einiges langweiliger. Und ohne sie könnte ich mir eine Weltreise im Moment auch nicht vorstellen.“

„Hm“, mache ich. „Meine nächste Frage wäre gewesen, wo du dich in zwanzig Jahren siehst. Aber ich glaube, ich kann dich genauso gut fragen, ob du dich in zwanzig Jahren noch mit Lilian zusammen siehst?!“

„Das beabsichtigen wir auf jeden Fall.“

„Also, eine kurze Fragerunde gefällig? Ich sage zwei Begriffe und du sagst mir, was du bevorzugst. Kaffee oder Tee?“

„Kaffee.“

„Baden oder Duschen.“

„Baden.“

„Hund oder Katze?“

„Hund.“

„Lily oder Rose?“

„Lily natürlich.“ Er lacht. „Was will ich denn mit Rose?“

„Richtige Antwort!“ Ich grinse ihn an. „Ich denke, Jamie, damit habe ich gutes Material zusammen. Jetzt fehlt nur noch eins …“, sage ich und starre sein Shirt an. Er lacht auf, seufzt, und dann streift er sich mit einer flüssigen Bewegung das T-Shirt ab, um es mir zu reichen.

„Bitte sehr, die Dame.“ Er verbeugt sich leicht. „Aber nicht selbst behalten.“

Ich werde rot und versuche, ihn nicht anzustarren.

„Danke schön … ähm. Ja. Wirklich. Danke, Jamie! Also für das Shirt … und für das Interview. Ich hoffe, wir sehen uns nochmal wieder!“

Er lächelt mich an und begleitet mich zur Tür. In den Händen halte ich das Shirt und muss mich zwingen, nicht daran zu riechen. Danach verabschieden wir uns, und das Erste, was ich mache, als die Tür zufällt – ich schnuppere dran!

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In Zusammenarbeit mit Lesen im Mondregen und Kim Leopold!

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1 Kommentar

  1. Patrizia

    Suuper genial Interview <3

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