Interview mit Anna Seidl

Zusammen mit Nessi von Nessis Bücher durfte ich Autorin Anna Seidl interviewen! Ihr Buch „Es wird keine Helden geben“ ist eines meiner absoluten Highlights!

„Man kann die Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu laut.“

Auch Wochen später sitzt das Echo dieses Buches noch in meinem Herzen. Vermutlich für immer, denn dieses Buch vergisst man nicht so schnell wieder. Daher freue ich mich wahnsinnig darüber, dass du dir Zeit nimmst für meine Fragen, Anna Seidl!

Das Interview

Erzähl uns doch zu Beginn ein bisschen von dir. Wer steckt hinter Anna Seidl?

Ich hasse diese Frage ehrlich gesagt ein wenig. Ich weiß dabei nie, was genau ihr von mir hören wollt. Aber ich versuche es mal: Ich bin gerade 23 Jahre alt geworden und arbeite in einer Bank. Nebenbei studiere ich. Die Leute fragen mich oft, wie Bücher schreiben und in einer Bank arbeiten zusammenpassen. Ich denke, dass gerade der Kontrast zwischen diesen beiden Tätigkeiten mir hilft, mich auf die Charakter und Welten einzulassen, über die ich Schreibe. Ich habe zwei Katzen und höre unglaublich gerne Musik. Vor allem die alternative und rockige Szene. Ich höre beim Schreiben immer Musik. Ohne könnte ich gar nicht existieren. Es gibt für mich nichts schöneres, als an eine verregneten Tag mit einer Tasse Tee an einer Geschichte zu schreiben.

Wie ist es dir beim Schreiben von „Es wird keine Helden geben“ ergangen? Gab es Momente wo du auch tief durchatmen mussten, weil du nicht wusstest wohin mit deinen Emotionen? Gab es vielleicht sogar Tränen?

Oh ja, die gab es wirklich. Es gab einige Tränen. Beim Schreiben tauchte ich immer mehr in Mirjams Leben ein. Und desto mehr Zeit ich mit meinen Charakter verbrachte, desto mehr tat mir leid, was sie erlebt hatten. Jeder von ihnen. Einmal habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich mich wirklich dafür hasste, dass ich Tobi hatte töten lassen. Es tat mir sowohl für ihn als auch für Mirjam leid. Und ich bedauerte auch sehr, was für eine schreckliche Schulzeit ich dem Amokläufer Matias geschrieben hatte.

Das verstehe ich gut. Ich dachte zwischendurch auch „Wie kann sie nur!“ Was ich mich auch gefragt habe: Wie entstand der Titel? Was genau steckt dahinter?

Der Satz kommt fast eins-zu-eins im ersten Kapitel vor. Mirjam sagt: „Denn es gibt keine Helden.“ Aber eigentlich bedeutet der Titel etwas ganz anderes für mich. Jeder muss sein eigener Held sein. Das heißt für mich, dass du immer so handeln solltest, dass du dich noch im Spiegel erblicken kannst. Dass du immer mit deinen Taten leben kannst. Matias Staudt konnte das nicht. Und später konnte Mirjam das auch nicht, weil sie hinterfragte, was sie und Tobi getan haben. Sein eigener Held sein bedeutet für mich, sich selbst immer treu zu bleiben. Und sich selbst nicht zu verleugnen. Und stark zu sein, wenn du hinfällst und nicht mehr weiter weißt. Das ist verdammt schwer. Weil es so leicht ist, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und wenn du ganz da unten bist, dann denkst du: „Es gibt keine Helden.“ Und der einzige, der dich aus diesen Tiefen deiner Treuer und Verzweiflung retten kannst, bist du selbst. Deshalb muss jeder sein eigener Held sein.

Das sind sehr bedeutsame Worte. Wem würdest du empfehlen, dein Buch zu lesen? Würdest du auch jemanden davon abraten?

Ich würde zu jungen Menschen davon abraten. Ich würde es jetzt nicht einem Dritt- oder Viertklässler kaufen. Ich möchte, dass jeder Leser sich über „Es wird keine Helden geben“ eine eigene Meinung bildet. Und über das Thema Amoklauf wirklich nachdenkt. Deshalb finde ich, für junge Kinder ist es nicht geeignet. Das Thema Amoklauf halte ich persönlich für ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft. Deshalb kann ruhig jeder einmal darüber nachdenken.

Vielleicht sollte jeder sich auch mal Gedanken ums Helden-sein machen. Wie definierst du Helden?

Ich denke, ein wenig lässt sich das schon aus der oberen Frage mit dem Titel heraushören. Ein Held ist für mich jemand, der am Boden liegt und keinen Ausweg mehr sieht. Und der trotz allem mutig ist und wieder aufsteht. So gesehen können wir alle Helden sein. Es kostet nur Kraft und den Glauben an uns Selbst. Helden können aber auch Menschen sein, die für andere einstehen, auch wenn es wirklich schwer ist. Wenn es Konsequenzen für sie hat und sie sich selbst trotzdem hinten anstellen. Diese Art von Held zu sein ist, denke ich, noch einmal schwieriger als sein eigener Held zu sein. Aber ich denke, um letzteres werden zu können, musst du erst einmal ersteres sein.

Mit Sechzehn hast du dieses Buch geschrieben, das ist sehr jung. Welche Geschichte steckt dahinter?

Als ich sechzehn war, gab es gerade wieder einen großen Amoklauf in Amerika. Nur wenige Jahre vorher gab es einen in Deutschland. Also habe ich immer wieder über das Thema nachgedacht. Ich habe davon geträumt, furchtbare Albträume. Und ich habe mich gefragt, wie ich mich verhalten würde, wenn es einen Amoklauf an meiner Schule gäbe. Und ich kam zu dem Schluss, dass ich gern ein Held wäre. Aber das ich es vermutlich nicht sein würde, weil niemand sagen kann, wie man sich in Extremsituationen verhält. Früher oder später hinterfragte ich dann auch, ob ich schon einmal gemobbt hatte oder gemobbt worden war. Ich wollte wirklich selbst verstehen, ob solch ein Erlebnis solch eine Tat rechtfertigt. Und darüber habe ich so viel nachgedacht, dass eine Geschichte daraus entstand.

Jeder Leser nimmt eine andere Botschaft von einer Geschichte auf. Welche Botschaft möchtest du mit deine Buch vermitteln?

Es sind sehr viele Dinge, die ich mit meinem Buch ausdrücken wollte. Aber die Kernbotschaften waren für mich, dass es kein Anrecht auf ein gutes Leben gibt. Dass dir jeder Zeit etwas passieren kann und du deshalb dankbar für dein Leben sein solltest, wenn es bis jetzt gut verlaufen ist. Und wenn es dass dann irgendwann nicht mehr ist kannst nur du selbst dir helfen. Es ist wichtig, seine eigene Stärke zu entdecken und auch nutzen zu können. Und stark können wir alle sein. Es soll Hoffnung geben, dass auch nach dunklen Tagen das Leben eines Tages wieder besser werden kann. Man muss sich nur Zeit geben und darauf vertrauen, dass man selbst stark ist, wenn es sein muss. Und die zweite, genauso wichtige Kernbotschaft ist, dass wir die Verantwortung für unsere Taten übernehmen müssen. Ich will nicht sagen, dass Mobbing einen Amoklauf rechtfertigt. Jeder, der mein Buch gelesen hat, weiß, dass dies nicht die Aussage ist. Aber wir können nicht durch die Welt laufen und andere Menschen verletzen und behandeln, wie wir gerade Lust darauf haben und erwarten, dass wir niemals dafür gerade stehen müssen. Jeder Mensch verdient Respekt und Freundlichkeit, egal, ob ich persönlich ihn sympatisch finde oder nicht.

Was ist deine größte Angst?

Ich habe viele Ängst. So, wie jeder anderer Mensch wahrscheinlich auch. Aber meine größte Angst ist, mir selbst eines Tages nicht mehr treu zu sein. Meine Prinzipien zu verleugnen. Mich selbst zu verlieren und nicht mehr zu wissen, wer ich bin. Denn ich glaube, dass du immer wieder aufstehen kannst, solange du weißt, wer du bist. Solange du dein eigener Held bist.

Vielen, lieben Dank Anna, für deine Antworten und deine Zeit! Ich werde mit Sicherheit noch lange an dein Buch denken, weil es so bedeutsam und so wichtig ist. Ich hoffe, dass viele Menschen daraus noch etwas mitnehmen können, sich vielleicht Gedanken machen so wie wir. Denn dann ist die Botschaft wohl angekommen.

Hier kommt ihr zu Nessi’s Teil des Interviews.


Wie definiere ich einen Held?

Held. Ein schwieriges Wort, wenn man es mal so auf der Zunge zergehen lässt. Helden kennt man am ehesten vermutlich aus Märchen. Also etwas, das vollkommen Unrealistisch ist. Wie verbindet man einen Held also mit der Realität? Gibt es Helden?

Ich finde ja! – Es gibt sie.

Aber ich denke, dass die Definition eines Helden völlig individuell ist. Eine Heldentat ist etwas Gutes, also ist auch ein Held etwas Gutes. Oder? Vielleicht ist ein Held auch jemand der etwas gut kann. Gut malen, Gut basteln, gut Schreiben. Jemand der einfach nur durch und durch nett und positiv ist? Nach dieser Definition wäre dann jemand der dir einen Kaffee bringt schon ein Held.

Und ich finde, das stimmt ja auch irgendwie. Wir sind alle Helden. Große und kleine. Überall verteilt auf dieser Welt. Ob es nun eine kleine Geste ist oder eine große Tat.

Der Bezug zum Buch ist jedoch etwas schwieriger. Denn hier geht darum, dass es keine Helden geben wird. Und ja, auch wenn wir meiner Meinung nach in einer Welt voller Helden leben, gibt es auch das Gegenteil von Heldentaten. Und schließlich auch Momente und Situationen, in denen es keine Helden geben wird.

Momente in denen man vielleicht auch nur an sich denken sollte, ist man dann ein Held? Obwohl man niemand anderes retten kann? Meiner Meinung ja, man sollte auch für sich selbst ein Held sein können und müssen.


Nun seid ihr dran: Was sind für euch Helden?



Es wird keine Helden geben

Alles beginnt wie ein normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausengong hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Sie überlebt – fragt sich aber, ob das Leben ohne Tobi und mit den schlimmen Albträumen noch einen Sinn hat. Waren Miriam und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?

  • Seitenanzahl: 256/Taschenbuch
  • Verlag: Oetinger
  • VÖ: 1.1.2016/1. Auflage
  • ISBN-13: 978-3841504029
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Genre: Drama, Roman, Jugendbuch, Belletristik
  • Format: Hardcover, Taschenbuch, Ebook und Hörbuch
  • Ich-Perspektive
  • Erster Satz: „Alles wird damit beginnen, dass ich verschlafe.“

Rezensionen

Hier geht es zu meiner Rezension: https://bit.ly/2MgdGYG

Hier geht es zu Nessi’s Rezension: https://bit.ly/2L0Z8a4

 


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Dies ist ein privatbetriebender Blog. Ich wurde für diesen Beitrag nicht bezahlt oder gesponsert. Die Rezension entstand durch meine freie eigene Meinung. Natürlich könnte es sein, dass dein Interesse zum Kauf geweckt wird.

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