Rezension: „Der Mann meines Bruders“ von Gengoroh Tagame

Bewertung:

Wenn ich vernünftig darüber nachgedacht hätte … wäre mir klar geworden, dass sich mein Bruder … Deshalb nich in jemand anders verwandeln würde.

– aus „Der Mann meines Bruders“ –

Klappentext

Der überraschende Besuch von Onkel Mike in dem beschaulichen japanischen Städtchen entzückt seine Nichte Kana, wirft den alleinerziehenden Vater Yaichi aber vollends aus den wohlgeordneten Bahnen seines Lebens. Denn der Kanadier Mike Flanagan ist der hinterbliebene Ehemann von Yaichis verstorbenen Zwillingsbruder Ryoji, der als Erwachsener die Akzeptanz seiner Sexualität im Ausland suchte. Mike will mit seinem Besuch endlich die japanische Verwandschaft kennenlernen und seine Trauer um Ryoji teilen, während Yaichi sich gedanklich seinem Zwillingsbruder erst wieder annähern muss. Hat er damals seinen Bruder genügend unterstützt, als der ihm seine Homosexualität gebeichtet hat? Oder fühlte sich Ryoji von ihm im Stich gelassen? Die ganze Nachbarschaft bebt unter Mikes Besuch, denn einen großen bärtigen Kanadier haben die wenigsten bisher in ihrem Zuhause gesehen und wer weiß schon, was alles passieren kann, wenn man mit der „Invasion des Fremden“ konfrontiert wird!! 

Eckdaten

  • Erschienen im Januar 2019
  • Carlsen Verlag
  • Taschenbuch: EUR 10,00
  • 180 Seiten
  • Leseprobe

Fazit

Als ich gelesen habe, dass Carlsen einen Manga von Gengoroh Tagame veröffentlichen wird, dachte ich erst mal: Oh Gott! O__o

Denn die meisten Mangas von Tagame sind auf eine brutale Weise sexuell und sprechen mich überhaupt nicht an. Dann sah ich das Cover und den Klappentext und war überrascht. Tagame kann also auch brav.

Der Zeichenstil ist anders und deshalb zuerst mal besonders. Man sieht behaarte Oberkörper und Beine, Muskeln und Männer, die von ihrer Figur eher stämmig wirken. Alles Merkmale, mit denen im Boyslove Genre sehr sparsam umgegangen wird. Aber ist das überhaupt ein Manga dieses Genres? Eine Frage, die mir nicht ganz beantwortet wird. Aber ich denke: Nein.

Wir lernen Yaichi kennen, einen alleinerziehenden Vater, der Mike erst mal sehr intolerant entgegentritt. Da seine Tochter jedoch sofort einen Draht zu dem großen Kanadier hat, bietet er ihm dann doch seine Wohnung als Übernachtungsmöglichkeit an.

Im Laufe der Zeit beginnt Yaichi seine Vorurteile zu überdenken und sich selbst und das Verhältnis zu seinem Zwillingsbruder zu hinterfragen. „Hätte ich offener sein sollen?“ „Hätte ich ihn mehr unterstützen müssen?“ Alles Fragen, die plötzlich in seinem Denken auftauchen. Mike und seine herzliche Art, lassen ihn seine Vorurteile überdenken.

Die Homosexualität von Onkel Mike, der der Partner des verstorbenen Bruders war, wird natürlich thematisiert. Aber eben nicht auf die Yaoi-Art. Es geht um Akzeptanz. Darum, wie zwei Männer ihr Leben gemeinsam leben. Und um die Erkenntnis, dass sie das eben ganz normal tun. Es geht darum, dass Liebe sich nicht auf eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau beschränkt.

In diesem Manga geht es nicht darum, dass zwei Männer zueinander finden und sich heiß und innig ineinander verlieben. Nein. In „Der Mann meines Bruders“ geht es viel mehr um zwei Männer, die gemeinsam um den Partner/ den Bruder trauern und ihn miteinander ein wenig besser kennenlernen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es im zweiten Teil weitergeht.

Als mein Bruder einen Mann heiratete dachte ich tief in meinem Inneren dasselbe wie Kana. Die gleiche Frage … Nur in meinem Kopf. Wobei es mir nicht einfach nur um diese Frage ging, sondern auch um die Bedeutung der weiblichen und männlichen Rolle. Warum? Das Sexleben anderer Paare interessiert mich doch sonst auch nicht!

– aus „Der Mann meines Bruders“ –
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DIES IST EIN PRIVATBETRIEBENDER BLOG. ICH WURDE FÜR DIESEN BEITRAG NICHT BEZAHLT ODER GESPONSERT. DIE REZENSION ENTSTAND DURCH MEINE FREIE EIGENE MEINUNG.

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